Hormonprofil Frauen und Männer

Hormone bestimmen unser Leben, auch Ihres. Ob Sie dabei als junge Frau am prämenstruellen Syndrom leiden, Migräne während Ihrer Periode haben,  als junger Mann massive Akne während der Pubertät - oder in der Zeit des Wechsels vielerlei Symptome entwickeln wie Hitzewallungen, Schlafstörungen, Libidoverlust, Haarausfall bei Frauen oder die so unangenehme Prostatahypertrophie und die Erektionsstörung beim Mann - das sind nur ein paar Beispiele an Erkrankungen, die keinesfalls schicksalsergeben hingenommen werden müssen. Wie Sie auch ohne massiven Eingriff in Ihr Hormonsystem durch konventionelle Hormonersatztherapie sondern durch sanfte Regulation des ganzen Systemes wieder Wohlbefinden erlangen können, ist einer meiner Schwerpunkte.

Ein Mythos der immer wieder aufgegriffen wird, ist , daß ein Mangel an Östrogenen der Frau an Ihren Beschwerden Schuld sei. Das mag in wenigen Fällen so sein, Tatsache ist aber, daß auch in den Wechseljahren noch Östrogene gebildet werden, nur kaum noch mehr in den Ovarien sondern in geringen Mengen in der Nebenniere, deutlich im Fettgewebe, und so haben erfahrungsgemäß nur äußerst schlanke Frauen einen deutlichen Östrogenmangel, alle anderen produzieren meist noch ausreichend davon und Frauen werden in der Regel unter Generaltherapie mit Östrogenen gestellt, sehr oft ohne Laborkontrolle vor und fatalerweise auch während der Therapie. Dabei ist das Absinken des Progesteronspiegels, der dann nicht mehr im richtigen Verhältnis zum Östrogen steht und ihm nicht mehr in ausreichendem Maß als Gegenspieler dient, das eigentliche Problem.

Damit eine Frau sich wohlfühlt, sollte das Verhältnis von Progesteron zu Östrogen mindestens 80:1 sein, besser noch 100:1 oder sogar 200:1, wie Dr. Lee beschreibt, Begründer des Begriffes "Östrogendominanz". Allerdings werden bei mir nicht Laborwerte therapiert sondern der Mensch, so gibt es Frauen, die auch bei einem Wert von unter 80:1 beschwerdefrei sind oder auch Frauen, die z.B bei 130:1 liegen und immer noch Beschwerden haben...

Wie sehen nun die Beschwerden aus?

es kann zu

  • depressiven Verstimmungen
  • Schlafstörungen,Schlaflosigkeit, Müdigkeit
  • Hypertonie
  • Kopfschmerzen, Migräne
  • Reizbarkeit
  • Brustspannen (Mastopathie)
  • Gewichtszunahme, Gefühl wie "Aufgeblasen"
  • Wassereinlagerungen, geschwollene Füße
  • Zyklusstörungen verschiedenster Art
  • Konzentrationsstörungen
  • Myomen
  • Muskel-und Gelenkschmerzen, Fibromyalgie
  • trockene Schleimhäute, mangelnde Libido
  • Hitzewallungen
  • Haarausfall
  • bei Männern: Prostatahyperplasie

kommen. Ein weiteres Erhöhen der Östrogenwerte würde den Quotienten nur weiter verschlechtern, Laborwerte von 2 oder 3 : 1 hatte ich auch schon in den Händen ( meist unter Hormonersatztherapie ). 

Um anständig therapieren zu können, ist die Frage nach Verhütung, Medikamenten,Stress, Ernährung, Leberwerten, Darmflorabefund natürlich enorm wichtig... Warum?

Über epigentische Steuerung weiß man heute viel und auch über Steuerung vieler Vorgänge durch die epigentische Regulation durch das Mikrobiom, unter anderem auch das Runterregeln der Aromataseaktivität ( Quelle: Larsson E, Tremaroli V, Lee YS et al. Gut(2011)10.1136/gutjnl-2011-301104). Aromatase, ein Enzym, baut am Ende eines langen Syntheseweges aus Testosteron, das auch Frauen haben, Östrogen, und durch Verlust der Diversität des Mikrobioms wird jene, oft nach Antibiotikagaben, entfesselt und übertreibt ihre Aufgabe, sodaß auch hier der Darm eine wichtige Rolle spielt. Darmsanierung mit u.a. Probiotika ist hier die Methode der Wahl.

Ebenso die Leber, die immer mit berücksichtigt wird, da der Abbau der Östrogene da stattfindet, auch die Wiederaufnahme aus dem Darm , wenn die Schleimhaut nicht intakt ist, spielt eine wichtige Rolle, sonst zirkuliert das Östrogen wieder und wieder und wieder.... Die Leber wird phytotherapeutisch mitbehandelt.

Stress bedeutet, das Vorläuferhormon Progesteron wird abgezweigt, zum Hormon Cortisol umgebaut und steht innerhalb des Syntheseweges damit nicht mehr als Gegenspieler für Östrogen zur Verfügung....

Über die Pille muß man fast schon nicht mehr reden, da sie natürlich den Östrogenspiegel erhöht, den Quotienten drückt und es lohnt, wenn man deutliche Beschwerden hat im Sinne eines prämenstruellen Syndroms zum Beispiel, über eine alternative Verhütungsmethode wie z.B. die hormonfreie Spirale, die auch für junge Frauen anwendbar ist, nachzudenken.

Schließlich spielt die Ernährung eine Rolle, weil zum Teil Östrogenzufuhr über Nahrungsmittel erfolgt, Xenoöstrogenaufnahme ( hormonähnliche Fremdstoffe), sowie z.B. Konservierungsstoffe, die nicht nur Nahrungsmittel von Bakterien freihalten, sondern auch unseren Darm, und fast schon von der Wirkung her wie Antibiotika zu klassifizieren sind, da die Vielfalt der Bakterienstämme abnimmt. 

Neben diesen beiden wichtigen Hormonen werden, je nach Beschwerden, auch DHEA, Testosteron bei der Frau oder beim Mann gemessen.

Sie sehen, es ist etwas kompliziert, wenn man den Menschen richtig behandeln und nicht nach Einheitsrezept bedienen möchte, es erfordert sanfte Regulation aller Hormone.

Anmerkung: das in der Medizin als Begriff übliche "Estrogen" wurde hier der Gebräuchlichkeit halber und für das Verständnis mit dem mittlerweile überholten Begriff "Östrogen" veranschaulicht.

Tags: Hormone, Intestinales Mikrobiom, Östrogendominanz, Progesteron, Östrogen, Aromatase, sanfte Hormonregulation