Adipositas

Sie haben das Gefühl, schon beim bloßen Anblick bestimmter Nahrungsmittel zuzunehmen, essen gesund und ballaststoffreich und nehmen trotzdem zu? Auch reichen bei Ihnen bereits kleine Mengen, um die Waage explodieren zu lassen? Wußten Sie, daß es gerade die guten Ballaststoffe sind, die eine falsche Zusammensetzung der Darmflora  besonders gut aufschließen läßt, obwohl diese üblicherweise unverdaut ausgeschieden werden?  Ein Überwiegen der sogenannten Firmicutes - einer großen Bakterienklasse im Darm - gegenüber den Bacteroidetes sorgt dafür, daß Sie ein immer besserer "Futterverwerter" sein werden als viele Ihrer Mitmenschen. Das konnten Wissenschaftler anhand eines Modells zeigen, bei dem Sie Mäuse mit Firmicutenlast versorgten, diese wurden dann dick wie Goldhamster.... 

Eine einfache Stuhluntersuchung klärt, ob bei Ihnen das Verhältnis der beiden Bakterienklassen zueinander in Ordnung ist und ob hier eine Beteiligung am Übergewicht vorliegt.

Aber nicht nur die Zusammensetzung der Bakterien im Darm, auch andere Faktoren wirken an einem hohen Body-Mass-Index (BMI) mit:

  • Stress
  • Östrogendominanz
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Leptinresistenz
  • Wechselwirkung zwischen Entzündungszellen und  Fettgewebe
  • Serotoninproduktion
  • Wie kann Stress am Übergewicht Schuld sein?

Dauerstress und damit dauerhaft erhöhte Cortisolspiegel entlassen zuviel Zucker und Fette ins Blut, da der abbauende Stoffwechsel im Vordergrund steht, es passiert einfach "zuviel des Guten". Die Fettverteilung und Anlagerung erfolgt dann so, wie man es von dem Krankheitbild kennt, das entstehen kann, wenn man eine zu große Menge Cortison als Arznei erhielt: das Fett wird "am Stamm" abgelagert, also in der Bauchgegend, was als besonders ungesund gilt. Die Physiognomie gibt hier gut Auskunft: wenn ich einen Menschen, der normal ißt, anschaue und die Verteilung des Fettes sehe, habe ich oft schnell einen Eindruck, ob dieser schon lange Stress hat oder nicht... Ein Cortisol-Tagesprofil erstelle ich Ihnen gern.

Aber auch Schlafmangel - was als innerer Stress gilt - hat hier eine Bedeutung. Fettverbrennung findet auch im Schlaf statt, nicht nur bei Bewegung tagsüber -  aber nur wenn er mindestens 6 Stunden andauert, günstiger sind 7-8 Stunden. Zu kurze Schlafperioden unterbinden diesen Prozess.  

  • Was ist denn Östrogendominanz und warum hat das einen Einfluß auf das Gewicht?

Unter Östrogendominanz versteht man das verschobene Verhältnis zwischen Östrogen und Progesteron. Progesteron ist der "Gegenspieler" zu Östrogen und sollte immer deutlich mehr vorhanden sein, damit ein Gleichgewicht besteht und wir gesund sind. Es sollte bei Frauen mindestens 100: 1 sein ( Progesteron zu Östrogen ), idealer wäre ein Verhältnis von 200:1, damit die unguten Wirkungen von zu viel Östrogen im Körper nicht die Kontrolle erhalten. Viele Frauen ( aber auch Männer, die beide Hormone auch haben, allerdings in einem anderen Verhältnis) produzieren in Ihren Eierstöcken ( bei Männern sind es die Nebennieren) zu wenig Progesteron, oder nehmen die Pille oder die Produktion sinkt in den Wechseljahren, und die ersten Symptome treten auf:

  • Gewichtszunahme
  • Wassereinlagerungen
  • Hitzewallungen
  • Kopfschmerzen
  • Schlafstörungen
  • depressive Verstimmungen
  • mangelnde Libido
  • Heißhunger auf Süßes
  • Reizbarkeit
  • Schwindelanfälle
  • Brustspannen ( Mastopathie )
  • Zyklusstörungen

Die gewichtsfördernde Wirkung von dominantem Östrogen ist nicht zu unterschätzen. Ein Speicheltest gibt hier Auskunft.

  • Und wie ist das mit der Schilddrüse?

Die Schilddrüse ist unser Organ, das den Grundumsatz bestimmt, das heißt unseren Energieverbrauch steuert. Arbeitet sie zu langsam, ist der Stoffwechsel träge und unsere Energielieferanten Zucker, Fett, Eiweiße werden nicht "verbrannt" und wir sind eher antriebslos, müde, haben wenig Energie und nehmen zu. Eine Kontrolle des TSH-Spiegels ist daher wünschenswert, er gibt Auskunft über den Zustand und ob Sie nicht an einer Unterfunktion leiden. 

  • Was ist Leptinresistenz?

Leptin ist ein Hormon oder besser gesagt ein Botenstoff,  der von den Fettzellen gebildet wird und eigentlich mit dem Gehirn, genauer gesagt dem Hypothalamus  "sprechen" soll und dort Stoffe freisetzen lassen soll, die den Appetit zügeln. Wie auch bei der Insulinresistenz  bewirkt aber ein Überangebot dieses Botenstoffes durch viele Fettzellen ein mangelndes Ansprechen des Leptins auf die Zielorgane und deren Rezeptoren, sodaß der appetitzügelnde Effekt unterbleibt.

  • Und wie hängen Entzündung und Fettgwebe zusammen?

Fettgewebe enthält nicht nur große fettspeichernde Zellen, sondern auch viel Bindegwebe mit Blutgefäßen, Nervenzellen, Bindegwebszellen(Fibroblasten) und spezialisierten Immunzellen. Man fand heraus, daß die Immunzellen im Fettgewebe Entzündungen verursachen und die Insulinsensitivität der Zellen verschlechtern. Und je mehr Fettgewebe, desto deutlicher die Entzündungsreaktion. Botenstoffe des Entzündungsgeschehens wiederum übermitteln den Hormonbildungsstätten im Gehirn (Hypothalamus), daß noch mehr Cortisol gebildet werden soll, um die Entzündung zu unterdrücken was einen erhöhten Cortisolspiegel weiter unterhält oder zumindest begünstigt...

  • Und das Serotonin, wie macht das Übergewicht?

Man fand heraus, daß Menschen mit Adipositas eine relative Tryptophan-Armut haben. Tryptophan ist die Aminosäure, aus der der Körper unser Glückshormon Serotonin baut. Das hat zur Folge, daß man zu einer eher niedergeschlagenen, depressiven Stimmung neigen kann. Viele bekommen in der psychosomatischen Adipositas-Therapie deshalb SSRI (=Serotoninwiederaufnahmehemmer) verschrieben. Da es oft so ist, daß man unter Depression kompensierend entweder gar nichts ißt oder Heißhunger auf Süßes oder Fettes entwickelt, was natürlich dem Gewicht nicht dienlich ist, ist es hier wichtig, den Ursachen zu begegnen.

 

 

Tags: Entzündung, Stress, Östrogendominanz, Progesteron, Firmicuten, BMI, Leptinresistenz, Serotonin, Schlafmangel, Schilddrüsenunterfunktion